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Dienstag, 9. April 2013

Noah - oder wie man keinen Löwen bändigt

Delgardo schloss die Wohnwagentür hinter sich. Drinnen war die Luft stickig und verbraucht, trotz der aufsteigenden Kälte. Er setzte sich an den kleinen Tisch neben der Kochnische und goß sich ein Glas Grappa ein. Dann nahm er die Papiere zur Hand, die ordentlich gestapelt an der Seite lagen. Rechnungen, die bezahlt werden mussten. Dokumente vom Veterinäramt, Versicherungspolicen. Wie oft hatte er überlegt, ob er die Lebensversicherung aufkündigen sollte. Mit dem Geld könnten sie einen ganzen Winter überleben. Aber was käme dann? Er schob die Papiere zur Seite und drehte das Glas zwischen seinen Händen. „Deine Wermutstropfen“ hatte Maria sein abendliches Glas Grappa immer genannt. Dabei mochte er keinen Wermut. Dass sie „Wehmut“ gemeint hatte, war ihm erst klar geworden, als sie ihn längst verlassen hatte. „Du hast keine Zukunft, Marcello“, hatte sie geklagt. „weil du keine Zukunft haben willst.“

aus: Noah. Kurzgeschichte. März 2013 

Montag, 8. April 2013

Frauenend: Briefklappen und andere Geheimnisse




Maurer war sichtlich zufrieden. Kauend stand er am Tresen und betrachtete sein Werk. Drei Briefklappen, nebeneinander angebracht. Er hatte viel Mühe darauf verwandt, sie so anzuordnen, dass die unterschiedliche Größe der Klappen das Gesamtbild nicht beeinträchtigten würde. Die Öffnung für große Geheimnisse erinnerte entfernt an eine Katzenklappe, wobei Katzen dieser Größenordnung wohl eher in Wildparks anzutreffen wären. Er hatte sie mittig eingepasst. Die mittlere Klappe, durch die bequem ein Ziegelstein passte, steckte von innen gesehen rechts daneben, während die briefschlitzdicke für die kleinen Geheimnisse links daneben angebracht war. Die oberen Abschlüsse bildeten eine penibel waagerecht ausgerichtete Linie. Der Edelstahlrahmen, der das gesamte Ensemble von außen sichtbar zusammenhielt, verlieh ihm zuätzliche Seriosität. Maurer konnte wirklich stolz sein auf seine Arbeit. Die zugemauerte Tür mit den einladenden Briefklappen sah genauso aus, wie ich sie mir gewünscht hatte. Mit dem Schild des Graveurs würde sie perfekt sein. Ich beobachtete Maurer durch das Schulstraßenfenster und fragte mich, was wohl in seinem Kopf vorging.

“Ich hoffe, sie versprechen sich nicht zuviel davon”, sagte er, als ich mit meinem Karton voller Einkäufe durch die Hintertür wankte.
“Nicht weniger als eine Welt”, antwortete ich.
“Eine Welt?”
“Ja, eine Welt. Selbstverwirklichung war früher. Jetzt gilt es, eine Welt zu verwirklichen.”
“Eine Welt? In Frauenend?”
Er bedachte mich mit einem “Sind-Sie-sich-im-Klaren-wo-Sie-hier-gelandet-sind”-Blick und stellte das Kauen ein.

Auf dem Tresen lag wieder eine aufgerissene Gebäcktüte, darauf eine Zimtschnecke. Maurer musste entweder über eine nahegelegene Quelle oder einen Nachschublieferanten verfügen. Oder er hatte mir seine Lieblingsstücke vorenthalten beim ersten gemeinsamen Frühstück. Oder aber er wusste mehr über mich als mir lieb sein konnte. Hätte ich es gewusst – Zimtschnecken wären ganz oben auf der Liste der Dinge gewesen, die ich in verlorenen zwölf Jahren vermisst hätte. Bevor ich fragen konnte, registrierte er meinen Blick. “Die ist für Sie”, erklärte er.
Ich versuchte es mit gespielter Unbekümmertheit: “Wie kommt’s?”
“Zimt ist was für Mädchen.”  

Sonntag, 7. April 2013

Ein Ort für Frauenend & Co.


"Heimat ist immer irgendwo. Die Oberfläche verändert sich, im Kern ist es das Gleiche: Verweilen, atmen, arbeiten, Spuren hinterlassen. Vielleicht auch lieben. Das kann man an jedem Ort der Welt."

Dienstag, 2. April 2013

Montag, 1. April 2013

Spontane Wortgeburten XI

Ostern, m.

Der Ostern ist der natürliche Fressfeind des Weihnachtssterns, weshalb sich jener in den kalten Dezember zurückgezogen hat, wo er auf Fensterbänken und in Geschäftsauslagen ein kümmerliches Dasein fristet.
Der Ostern indes ist kälteresistent, auch wenn er zu den Frühblühern zu zählen ist. Er überlebt aber in freier Natur nur jeweils vier Tage.
Da er eine Rudelpflanze ist, hält er sich gerne in der Nähe von Hasen, Kaninchen und Hühnern auf. Seine Eier werden von allerlei Getier, darunter auch zweibeinige Säugetiere, aufgeklaubt, verspeist und somit weiterverbreitet.
Die Tragezeit beträgt bis zu 399 Tage, da der Ostern grundsätzlich erst nach dem ersten Frühjahrsvollmond das Licht der Welt erblickt. Er orientiert sich dabei an der aufgehenden Sonne im Osten (sic!), sondert sich aber generell vom etwas unbeweglicheren --> orthodoxen Ostern ab.

Sonntag, 31. März 2013

Frisch vom Weibtisch

Demnächst auch in diesem Theater: 


  • Spontane Wortgeburten
  • Letzte Funde
  • Neues aus "Frauenend"
  • Häppchen aus "Schlachtplatte"
  • Sie-Poe
  • Bilder- und Wortfetzen 
  • Links & wo's sonst noch lang geht


alles frisch vom Weibtisch!